Violin-Forum
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Autor Thema: Mein Griffbrett das unbekannte Wesen  (Gelesen 658 mal)
cassia
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« Antworten #30 am: 14. März 2010, 11:59:15 »

Ich habe diese Fragen nicht gestellt und werde darum Deine Nachfragen nicht beantworten, AtomicViolinist. Das steht ConBrio zu. Ich wollte nur darauf hinweisen, dass der Eröffner dieses Threads wahrscheinlich eine andere Intention hatte als die, zu erfragen, wer hier der mehr-über-den-Tellerrand-blickende-"bessere"-Solist-oder-Tuttigeiger ist... oder vielleicht nicht? ConBrio meldet sich vorsichtshalber gar nicht mehr  Lips Sealed.

Aber viel Spaß weiterhin bei der Besprechung dieses wichtigen Themas  Wink.
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"Das Licht am Ende des Tunnels ist oft nur eine sterbende Leuchtqualle." (W. Moers)
SMaus
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« Antworten #31 am: 14. März 2010, 12:16:08 »

Erst einmal zu Menuhin. Seine Versuche in indischer Musik klangen nicht besonders überzeugend. Genauso wenig wie seine Jazz-Gehversuche mit Stephane Grappelli. Ich möchte nicht behaupten, dass ihn diese Versuche geigerisch weitergebracht haben.
Videos von ihm mit Tonleitern, gespielt mit einem Finger, bedeuten nicht, dass er seinen Horizont durch indische Musik erweitert hat. Es zeigt nur, dass er seine Lagenwechseltechnik ernstnimmt. Beispiel Ivan Galamian, Contemporary Violin Technique, Nr.2 beschäftigt sich mit Tonleitern. Gespielt nur mit einem, dann mit zwei und dann mit drei Fingern. Ich habe nicht den Eindruck, dass das Galamians Vorübungen für die perfekte Musik des indischen Subkontinents sind. Es ist lediglich das Festlegen der Handposition in den einzelnen Lagen. Nicht mehr und nicht weniger.
Nichts gegen indische Musik, bei dieser Gelegenheit, übrigens.

Zu Deiner Nr.2: Mich interessiert nicht das Spiel eines deutschen Orchestergeigers, wenn er sich in indischer Musik versucht. Es sind zwei Welten, auch in technischer Hinsicht.

Es ist gut und wertvoll, wenn ich meinen Horizont erweitere. Je mehr "Ahnung" ich von anderen Kulturen habe, desto besser kann ich oft meine eigene Kultur verstehen. So weit bin ich absolut Deiner Meinung. Wenn ich fremde Länder bereise, sehe ich mein eigenes Land mit anderen Augen, finde plötzlich nicht mehr alles gut und schön, sondern schau mir mein Schulsystem genauer an, stelle fest, dass unser Gesundheitssystem auf dem Weg in den Standard der USA ist usw. usw.
Dasselbe gilt für die Musik. Wenn es aber darum geht, dass ich anfange, an meiner Technik herumzufummeln, wird es kritisch für meine mühsam erworbenen eigenen Fertigkeiten. Das fängt doch schon an mit einfacher Vierteltönigkeit. Wenn ich längere Zeit ein Stück üben muss, in dem ich mit Vierteltönen konfrontiert werde, merke ich das an meiner Intonation, wenn ich wieder andere Stücke spielen soll: Sie ist versaut, und ich muss erst wieder anfangen, sie zu polieren.
Ein Berufsmusiker hat sich in seinem Spiel professionell zu verhalten. Das bedeutet, er hat alle Hilfen und Techniken zu benutzen, die ihn verbessern, die ihm helfen, seine eigene Technik zu vervollkommnen. Genauso hat er aber alles zu unterlassen, was seine technischen Fähigkeiten beeinträchtigt. Für mich bedeutet das, ich halte mich von Techniken fern, die zwar faszinierend sein mögen, mein eigenes Spiel aber eher behindern. Ich schaue sie mir interessiert an, aber ich übe sie doch nicht.
« Letzte Änderung: 14. März 2010, 12:17:48 von SMaus » Gespeichert

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« Antworten #32 am: 14. März 2010, 13:42:00 »

Musica: schön,daß du deine Stimmen so genau übst. Ich glaube auch, daß du eine gute Orchestermusikerin bist, denn deine gesamte Argumentation zeigt mir die Erfüllungen aller Erwartungen, die man an einen guten Orchestertuttisten stellt. Ich meine das nicht wertend.
ich glaube schon, dass du es wertend gemeint hast. Es gibt nämlich keinen Grund, bei Musica ihre Position als Orchestermusikerin hervorzuheben. Ihre Art, sich vorzubereiten, ist nicht nur Orchestermusikern sondern auch Solisten und Kammermusikern eigen. Das ist die Grundlage der Sinfonischen Musik. Deshalb wäre es auch wichtig, dass du, Atomicviolonist dir vorstellen willst, wie es sich anhört, wenn der indische Schüler im Orchester mit seinesgleichen die gleichen Übungen spielt. Ich fürchte da ein großes Chaos und lauter falsche Töne, die überhaupt nicht genießbar sind. Undecided
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« Antworten #33 am: 14. März 2010, 14:21:11 »

Hi AtomicViolinist!


Zitat
Je mehr ich kann und weiß, desto mehr weiß ich auch was ich nicht kann! Ich werde das Griffbrett niemals "beherrschen".
Bravo!
Bin auch Profi und muss leider an mir erfahren, dass ich im Leben immer Grenzen haben werde, besonders auf der Geige!!!
Hab mir vor 2 jahren von Josef Märkel "Violintechnik Intensiv" 3 Bände (Schott) gekauft und übe Phasenweise regelmäßig dran.  Mal endlich eine erfrischend andere Herangehensweise um mein "Griffbrett" kennenzulernen. (Aber ohne Bogentechnik wird man auch das Griffbrett nicht kennenlernen können!, deshalb ist 2. Band der Bogentechnik gewidmet) Der Märkel ist meine ABSOLUTE EMPFEHLUNG!!!

Aber um Himmelswillen, was habt ihr heute Nacht eigentlich diskutiert . Hört sich nach zuviel Joints und schlechten Wein an, oder ist heute Vollmond??
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Ein verirrter Passant in NY : "Wie gehts zur Carnegie Hall?" Antwort: "üben, üben üben......"
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« Antworten #34 am: 14. März 2010, 14:35:45 »

[...]Hört sich nach zuviel Joints und schlechten Wein an, [...]
Ich habe nicht erwartet, dass Du Dich damit auskennst.
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Holleri du dödl di, diri diri dudl dö!
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« Antworten #35 am: 14. März 2010, 14:38:44 »

Virtuose:
Danke für deine ehriche Antwort!

Herald:
Ich weiß nicht was du willst: Es gibt selbstverständlich mehr Inder, die klassische Violine beherrschen als Europäer, die Indische klassische Musik beherrschen.
Viele Inder spielen klassische indische Musik in der Sitzenden Haltung am Boden und klassische europäische in unserer klassischen Haltung.

Smaus:
Bin ganz deiner Meinung. Bis auf dein letztes Argument. Ich glaube nicht, daß andere Stimmungen und Vierteltöne der Intonation generell schaden. Wer dieses genau übt und beherrscht, schult sogar sein Gehör.
Früher hieß es auch immer: praktizierende Jazzgeige würde der Intonation schaden. Es gibt mittlerweile gottseidank genug Gegenbeweise.  
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SMaus
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« Antworten #36 am: 14. März 2010, 14:55:50 »


Smaus:
Bin ganz deiner Meinung. Bis auf dein letztes Argument. Ich glaube nicht, daß andere Stimmungen und Vierteltöne der Intonation generell schaden. Wer dieses genau übt und beherrscht, schult sogar sein Gehör.

Und deshalb schrieb ich:

Zitat
Für mich bedeutet das, ich halte mich von Techniken fern, die zwar faszinierend sein mögen, mein eigenes Spiel aber eher behindern. Ich schaue sie mir interessiert an, aber ich übe sie doch nicht.

Man beachte die ersten beiden Worte.
Was mich so ein bisschen stört ist: "wer dieses genau übt und beherrscht [...]" Ich bin nach einigen Jahrzehnten intensiven Geigenspiels in der Lage, genau zu üben. Ich beherrsche durchaus Vierteltönigkeit. Trotzdem habe ich noch genug Kritikfähigkeit, dass ich sagen muss, meine Intonation traditioneller europäischer Musik leidet, wenn ich Vierteltöne übe.
Im übrigen waren die Vierteltöne ein Beispiel. Es gibt genügend andere Bereiche, in denen ich Techniken anwenden muss, die denen der traditionellen europäischen Musik zuwiderlaufen.
Wie ich schon schrieb: Es ist hochinteressant, sich damit zu beschäftigen. Mir fehlen jedoch die Zeit und die Energie, diese Techniken, die ich noch nicht einmal benötige, zum einen einzuüben und dann zum anderen meine bestehenden Techniken wieder zu reparieren.
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« Antworten #37 am: 14. März 2010, 15:14:47 »

Klar jeder muß das natürlich für sich entscheiden/erfahren. Ich habe nur die Erfahrung gemacht, daß viele Lehrer gleich von solchen Experimenten warnen. D. Delay wollte auch nicht, daß Nigel Kennedy Jazz spielt und hat ihn deshalb sogar aus der Klasse herausgeschmissen.
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SMaus
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« Antworten #38 am: 14. März 2010, 15:45:28 »

Einer meiner Lehrer war genauso. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, dass wir in unserer Geigenklasse zusammen mit dem Lehrer in der Mensa saßen. Er glaubte, mich auf den Arm nehmen zu können, in dem er sagte "ach, Du mit Deiner modernen Musik. Stellt Euch vor, der hört sogar Jazz!". Worauf ich grinsend meinte, dass ich noch ganz andere Sachen hörte.
Sakrileg! Er war in dieser Hinsicht sehr verknöchert.
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« Antworten #39 am: 14. März 2010, 15:52:48 »


Ein Berufsmusiker hat sich in seinem Spiel professionell zu verhalten. Das bedeutet, er hat alle Hilfen und Techniken zu benutzen, die ihn verbessern, die ihm helfen, seine eigene Technik zu vervollkommnen. Genauso hat er aber alles zu unterlassen, was seine technischen Fähigkeiten beeinträchtigt. Für mich bedeutet das, ich halte mich von Techniken fern, die zwar faszinierend sein mögen, mein eigenes Spiel aber eher behindern. Ich schaue sie mir interessiert an, aber ich übe sie doch nicht.


das ist auch meine Idee und so sage ich mir: Schuster bleib bei deinen Leisten!  Das passt zu mir, das bin ich  

Ich habe Menuhin live erlebt mit Ravi Shankar und den indischen Klängen, zu dieser Zeit, natürlich in seinem fortgeschrittenen Alter (in den 90 er Jahren) spielte er intonationsmässig und auch bogentechnisch nicht mehr wie ich ihn gerne gehört hätte, auch gefühlsmässig hatte ich den Eindruck war er nicht mehr frei, irgendwie versunken, abgeklärt, nicht wach  .... das hat mich wohl abgeschreckt, selber in solche Sphären einzutauchen.

Ich bin froh, dass ich meinen Beruf (meine Berufung) neben Familie, Freunden Haus, Garten und und.....das Pensum und die Anforderungen zufriedenstellend für Alle erfüllen mag und dabei die Freude und Erfüllung, die die Musik mit sich bringt nie verloren habe. Ich will ja meine Stelle behalten, Experimente kann ich dann nach meiner Pensionierung machen.
Mir fehlt auch jetzt das Interesse,die Zeit und Kraft, aus dem gewohnten Umfeld auszubrechen, muss dies ja auch nicht wenn ich nicht will.
Jedem Tierchen sein Plaisierchen, das ist doch gut und spannend. Wie wäre doch die Welt langweilig, wenn es nicht so wäre.


« Letzte Änderung: 14. März 2010, 15:55:02 von musica » Gespeichert

"Musik liegt in der Luft - man nimmt sich einfach so viel wie man benötigt"       (E.Elgar)
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« Antworten #40 am: 14. März 2010, 17:11:29 »

Ging es nicht eher darum, wie ein kleines Griffbrett mit vier Saiten um die ganze Welt unterschiedlichste Musikvorstellungen realisierbar macht? Und wie viel noch in Zukunft neu entdeckbar ist!

Im Barock hat man doch eigentlich viel fortschrittlicher gehandelt, indem man die Stimmung der Saiten der Musik angepasst hat, oder der erste (für verrückt erklärte), der mit der linken Hand pizzicato und gleichzeitig mit dem Bogen mehrstimmiges Spiel auf eben diesem produzierte.

Auch ist gerade die Geige ein Instrument für alle- war doch die Fiedel nicht eher ein "arme Leute"- Instrument, auf der man völlig frei nach Gehör - vergleichbar dem Singen - fantasieren konnte/kann?

Das waren nur so ein paar Gedanken .......

Und was wäre die Geige ohne "Experimente"! Jeder Geigenspieler sollte es sich zur Pflicht machen, je nach STimmung und Laune mit den Möglichkeiten der Geige  zu spielen.



« Letzte Änderung: 14. März 2010, 17:16:44 von Tabea » Gespeichert
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« Antworten #41 am: 14. März 2010, 17:29:33 »

wow..........
ist man mal ein paar Tage nicht da, schon gehts rund hier!

Eine spannende Diskussion hat sich hier entwickelt, die meine Wenigkeit entfacht hat .

Ich werde mich noch äußern, wenn ich etwas mehr Zeit habe, muss nämlich grad praktisch was tun  looool

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« Antworten #42 am: 14. März 2010, 17:37:06 »

Herald:
Ich weiß nicht was du willst: Es gibt selbstverständlich mehr Inder, die klassische Violine beherrschen als Europäer, die Indische klassische Musik beherrschen.
Viele Inder spielen klassische indische Musik in der Sitzenden Haltung am Boden und klassische europäische in unserer klassischen Haltung.
das Video wird mich etwas verwirrt haben. Ich dachte, dass du meinst, dass der indische Junge das Griffbrett mehr beherrscht als die europäischen Orchestermusiker. Daran habe ich großen Zweifel gehabt.  Wink
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« Antworten #43 am: 14. März 2010, 18:12:46 »

das war wohl auch das,was ich (miss)verstanden habe.
Zu den Experimenten mit dem Griffbrett, um dabei zu bleiben, da möchte ich doch nun noch etwas ausholen und sagen, dass ich aus einer Gegend in den Berner Alpen herkomme, wo vorallem volktümliche Musik, Jodeln und Fahnenschwingen die Kultur und Musikzszene "beherrscht". Da bin ich doch seinerzeit in den 60er Jahren sehr aus dem Rahmen gefallen mit meiner Idee, klassische Musik und Violine zu lernen . Meine Eltern haben mich in meiner Leidenschaft da nie unterstützt, darum bin ich wohl auch so stur dabeigeblieben. Habe eben einen echten "Bärnergrind". (Ausdruck für Starrköpfigkeit und Audauer, wenns sein muss).
Hier noch ein Müsterli auf was für Musik ich mich ab und zu aber gerne einlasse, das entspricht dann mehr meinem Wesen als indische oder andersweltliche Klänge!!
http://www.youtube.com/watch?v=ZU7ulK9Xm7g
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"Musik liegt in der Luft - man nimmt sich einfach so viel wie man benötigt"       (E.Elgar)
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